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Vom Brett zum Rahmen.
Vom Brett zum Rahmen.
Lebendiges Material. Florian Oberrauch über hochwertige Holzverarbeitung.
Der Rohstoff kommt aus dem Wald. Der Werkstoff aus dem Sägewerk. Und Finstral verarbeitet die Bretter zu hochwertigen Holzverblendungen. Mit dem Aufbau einer eigenen Holzverarbeitung kehrt das Familienunternehmen zu seinen Wurzeln zurück – und zeigt so, dass Echtholz auch im Fensterbau Zukunft hat. Ein Gespräch mit Florian Oberrauch.

Interview: Barbara Teichelmann

Im Jahr 2010 hat Finstral mit der Holzfertigung begonnen …Florian Oberrauch Ja, das waren die Anfänge. Damals haben wir noch ganz anders produziert. Wir kauften profilierte und bereits lackierte Holzleisten ein, um sie dann bei uns zuzuschneiden und zusammenzubauen.

Warum und wann fiel die Entscheidung, alles selbst zu machen?Wir waren unzufrieden, weil die Arbeitsabläufe weder flexibel noch ausbaubar waren. So mussten wir zum Beispiel die Leisten in einem 45-Grad-Winkel zusammenführen – wie bei einem Kunststofffenster. Aber moderne Holzfenster haben eine 90-Grad-Stufen-Eck Verbindung. Das war weder für unsere Kunden noch für uns befriedigend. Uns wurde schnell klar, dass wir etwas ändern müssen. Und so standen wir vor der Entscheidung: Entweder wir machen es richtig und produzieren Holzfenster komplett selbst oder wir lassen es ganz bleiben. Die Entscheidung fiel vor knapp zwei Jahren; wir haben dann eine eigene Holzfertigungslinie in unserem Werk in Oppeano bei Verona aufgebaut und Anfang 2018 mit der Produktion begonnen.

Dann war das Ziel mehr Qualität?Wir wollten uns weiterentwickeln, vom Holzzusammenbauer zum Holzverarbeiter. Und wir wollten jedes Detail zu hundert Prozent selbst in der Hand haben. Jetzt fertigen wir unsere Holzfenster vom Brett bis zum Rahmen selbst – das macht uns wirklich stolz. Holz ist ja eigentlich unser Ursprung, mein Onkel Hans Oberrauch, der Finstral-Gründer, war ja Schreiner. Umso mehr hat es uns gewurmt, dass wir hier nicht die hochwertige Qualität bieten können, die sonst unser Standard ist.

Sie bieten zwei Holzarten an – Fichte und Eiche.Schaut man Richtung Norden, wird im Fensterbau traditionell Weichholz eingesetzt. Schaut man nach Süden, kommt verstärkt Hartholz zum Einsatz, vor allem in Italien. Fichte und Eiche – mit diesen beiden Hölzern können wir also die beiden wichtigsten Holzbedürfnisse abdecken. Denn natürlich haben wir uns gefragt: Was sind die Anforderungen des Marktes? Uns war aber auch wichtig, keine langen Wege zu haben und nach Möglichkeit heimische Hölzer zu verwenden. Wir würden zum Beispiel niemals Holz aus Kanada importieren. Warum auch? Wir sitzen ja quasi direkt an der Quelle: 40 Prozent der Fläche Südtirols sind mit Wald bedeckt und 60 Prozent davon sind Fichten. Darum beziehen wir unser Fichtenholz ausschließlich aus Südtirol.
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Alles aus einer Hand: Florian Oberrauch, Mitglied im Verwaltungsrat und zuständig für Produktion und Logistik, ist stolz auf die hochwertige Holzverarbeitung.
Der Mensch und das Holz
Es ist wieder da. Und das, obwohl es eigentlich nie weg war. Holz ist ein Werkstoff, der lebt, atmet und sich bewegt und mit dem sich viele Menschen gerade deshalb so wohl fühlen. „Holz arbeitet“, hört man oft, wenn es in alten Bauernhäusern knarzt, und das stimmt auch: Je nach Raumklima gibt das Holz Feuchtigkeit ab oder nimmt sie aus der Luft auf. Holz filtert und bindet Schadstoffe, und dank der ätherischen Öle duftet es angenehm und beruhigend. Holz kann sogar Wärme speichern und schafft so eine behagliche Atmosphäre. Im Umgang mit diesem wertvollen Material braucht es Erfahrung und Respekt – aus diesem Grund verwendet Finstral regionale Hölzer aus nachhaltigem Anbau.

Der Wald und das Holz
Wo sollte es sonst sein? Holz Pichler, das größte Sägewerk Südtirols, liegt mitten im Wald in den Eggentaler Dolomiten. Eintausend Baumstämme werden hier jeden Tag verarbeitet: zu Brettern in drei verschiedenen Stärken, aus denen Möbel entstehen, Böden, Klaviere, Bilderrahmen, Wohnwägen – und Finstral-Fenster. Bereits am ersten Längsschnitt an der Bandsäge kann man erkennen, wie das Holz eines Stammes beschaffen ist und wofür es sich am besten eignet. Idealerweise wird jedes noch so kleine Stück Holz verwertet, denn dem Wald darf nur entnommen werden, was der Mensch auch wieder anpflanzt – und das in einem Umkreis von maximal vierzig Kilometern.

Finstral und das Holz
Wenn die Fichten- und Eichenbretter aus Südtirol und Slowenien in Oppeano ankommen, wartet eine moderne, helle und großzügige Halle auf sie: die Finstral-Holzfertigung. Einerseits gibt es hier Hightech – mit Maschinen zum automatischen Hobeln, Fräsen, Bohren und einer Lackieranlage mit Roboter, den die Mitarbeiter „Beppi” nennen. Andererseits setzt man beim Prüfen, Fühlen, Schleifen und Bürsten auf Handarbeit und Erfahrung. Weil der lebendige Werkstoff Holz eben besonders sorgfältig behandelt werden muss.
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Nach der Grundierung, dem Zwischenschliff und der Farbdusche werden die Holzprofile in der Lackierstraße aufgehängt. Die Endlackierung läuft vollautomatisch.
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In Form gebracht: Auf einem Stabwagen warten die frisch gefrästen Holzprofile für FIN-Vista-Fensterwände und FIN-Slide-Hebeschiebetüren auf die Lackierung. Die Farbmarkierungen stammen aus dem Sägewerk und werden noch abgeschnitten.
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Sägen, Fräsen, Bohren: Das übernimmt im Finstral-Holzwerk bei Verona eine CNC-Maschine.
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Der fertige Fensterflügel mit Holzverblendung wird zur „Hochzeit“ transportiert – so nennt man im Fensterbau das Einsetzen in den Blendrahmen.
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Um laufend die Qualität des Zusammenspiels aus Holz- und PVC-Profil kontrollieren zu können, werden Prüfmuster angefertigt.
Und das Eichenholz?
Die Eiche wächst bei uns nicht, wir importieren sie aus Slowenien. Und genau wie das Fichtenholz stammt auch die von uns verwendete Eiche aus nachhaltiger Forstwirtschaft. So leisten wir unseren Beitrag dazu, dass die Wälder langfristig erhalten bleiben. Außerdem gehen wir sehr sparsam mit dem wertvollen Rohstoff um.

Ist die Entscheidung zwischen Hart- und Weichholz eine rein ästhetische oder gibt es auch funktionelle Gründe?Weichholz ist etwas empfindlicher als Hartholz, das spielt aber nur in der Produktion eine Rolle, der Kunde merkt davon nichts mehr. Die Fichte hat weniger Fehler im Holz und eine einheitliche Maserung, die eine sehr schöne, homogene Oberfläche bietet. Bei der Eiche habe ich mehr Leben im Holz, es gibt mehr Fehler, wie Astlöcher oder dunkle Stellen. Eiche ist nicht perfekt, aber genau das will der Kunde ja. Kurz gesagt: Hartholz ist hart und Weichholz weich, aber das war es dann auch schon mit den funktionellen Unterschieden. Der Rest ist reine Geschmackssache.

Holz ist ein lebendiges Material. Inwiefern beeinflusst das die Produktion?Das war am Anfang tatsächlich herausfordernd. Zu unserem Glück haben wir die Fertigung in Oppeano eröffnet, denn die Gegend rund um Verona hat eine lange Tradition in der Herstellung von Holzmöbeln. So haben wir schnell Mitarbeiter gefunden, die viel Kompetenz und Erfahrung mitbrachten.

Was für Herausforderungen waren das?Wir hatten Schwierigkeiten, einen Qualitätsstandard zu finden. Wie viele Fehler in der Holzoberfläche sind noch akzeptabel? Das ist ja auch eine Frage des Geschmacks: Der eine Kunde sagt, mir gefallen viele Äste, der andere möchte keinen einzigen Ast sehen. Was also schneidet man raus, was ist Abfall, was nicht? Das muss man selbst festlegen, es gibt kein Regelwerk dazu. Einen Mittelweg zu finden, der europaweit funktioniert – das war am Anfang die größte Herausforderung. Vor allem mit der Eiche war es schwierig. Manchmal haben wir 50 Prozent weggeworfen. Mittlerweile wissen unsere Lieferanten in Südtirol und Slowenien aber ganz genau, was wir haben wollen.

Woran erkennen Sie, ob die Holzqualität stimmt?Wir prüfen zum Beispiel sofort die Holzfeuchte. Zehn Prozent plus/minus zwei sind in Ordnung. Wenn es zu trocken ist, gibt es Probleme bei der Verarbeitung. Dann haben wir häufiger Ausrisse an der Fräsmaschine. Ansonsten entscheiden wir rein nach Sichtkontrolle, wir haben Parameter festgelegt mit Beispielfotos und die Mitarbeiter entsprechend geschult. Mittlerweile weiß jeder, was ein Fehler ist und was wir durchlassen können.

Bislang verwendet Finstral Holz nur auf der Innenseite seiner Produkte. Werden Sie irgendwann auch Fenster und Türen herstellen, die komplett aus Holz bestehen?Nein, sicher nicht. Im Kern werden wir immer Kunststoff einsetzen. Er ist dicht, eckverschweißt, wasserfest, kann mit dem Isolierglas verklebt und mit den Beschlägen dauerhaft und sicher verschraubt werden. Da ist Holz funktional klar im Nachteil, denn es verwittert unter Einfluss von Sonne und Nässe. Und vollständig und dauerhaft dicht bekommen Sie einen Holzrahmen einfach nicht. Aber Holz ist schön. Deshalb setzen wir es ja auf der Innenseite ein. Für bestimmte Gebäudearten ist Holz aber trotz seiner Nachteile auch auf der Außenseite stilechter. Und durch unseren modularen Rahmenaufbau wäre eine Lösung mit Holz außen und innen prinzipiell auch möglich.

Warum sind Vollholzfenster bei Bauherren und Architekten nach wie vor so beliebt?Aus unserer Sicht hat das zwei Gründe: Zum einen werden die funktionalen Nachteile von Holzfenstern schlicht unterschätzt. Im Kundengespräch erleben wir oft, dass sie gar nicht wirklich bekannt sind oder kleingeredet werden. Der andere, vermutlich noch entscheidendere Grund ist eben die Ästhetik. Mit Holzfenstern verbinden viele Architekten und Bauherren schlanke Rahmenansichten und die natürliche, warme Wirkung dieses Materials. Daher ist unser Ansatz für ein wirklich innovatives Holzfenster, beides miteinander zu verbinden: die perfekte Funktion von Kunststoff im Kern und die besondere Ästhetik von Holz. Denn dank moderner Fensterbautechnik sind inzwischen auch Kunststoffrahmen superschmal konstruierbar. Und der Kunststoffkern lässt sich wunderbar mit Echtholz verblenden, so dass man nicht auf die schöne Holzoberfläche verzichten muss.

„Wir verbinden die perfekte Funktion mit der besonderen Ästhetik von Holz.“
Florian Oberrauch
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Für gut befunden: Die Qualität der Profile wird Stück für Stück geprüft. Insgesamt stellt Finstral mehr als 45 verschiedene Geometrien für Holzfenster her.
Im Grunde ist Ihr Holzfenster also ein Kunststoffprofil mit Holzverblendung innen und wahlweise einer Aluminiumverblendung außen.Ja, unsere Fenster sind modular aufgebaut und können so die Vorteile von drei Materialien verbinden. Viele Experten haben uns gewarnt, das funktioniere so nicht, die drei Materialien verhielten sich zu unterschiedlich.

Aber da Holz und Aluminium „nur“ Verblendungen sind, bleiben die drei Materialien doch relativ unabhängig?Ja und nein, denn sie sind mechanisch miteinander verbunden. Und die Materialien arbeiten. Jedes für sich und jedes anders, sie dehnen sich zum Beispiel bei Temperaturschwankungen unterschiedlich stark aus. Das muss man in den Griff bekommen, sonst verzieht sich der Rahmen. Das sieht unschön aus und natürlich leidet auch die Funktion. Also haben wir probiert und getestet. Und viel über die Details gelernt, auf die es ankommt.

Wir probieren und testen und stemmen alles alleine – ist das ein Finstral-Prinzip?So würde ich das nicht sagen. Wir profitieren einfach sehr davon, ganz unterschiedliche Kompetenzen im Haus zu haben. So können wir selbst anpacken und die Themen gemeinsam lösen. Wir entwickeln, probieren aus, entwickeln weiter und dabei hilft uns, dass wir eine sehr offene Unternehmenskommunikation pflegen. Von der Produktion über die Montage, die Systemtechnik bis hin zum Einkauf und Verkauf, jeder trägt etwas bei. Wenn ich etwas vorschlage und der Maschinenbauer sagt zu mir ‚Florian, das funktioniert so nicht’, dann funktioniert es eben nicht. Diese hierarchiefreie Zusammenarbeit ist besonders bei komplexen Neuentwicklungen wie unseren Holzfenstern wertvoll. Und der Erfolg gibt uns Recht. Im ersten Jahr haben wir schon über 10.000 Holzfenster ausgeliefert.

Was muss ein Holzfenster auf der Innenseite können?Die Ästhetik steht an erster Stelle, das heißt, es muss vor allem schön sein. Und in der Küche und im Bad muss es auch mal größere Feuchtigkeit aushalten, damit sich keine Flecken oder Verfärbungen bilden. Deshalb lackieren wir unsere Holzrahmen, allerdings nur mit wasserlöslichen Lacken, die für die Umwelt unbedenklich sind.

Das Fenster kann also in den Biomüll?Ja, man kann den Holzrahmen ohne Probleme abnehmen und entsorgen, zum Beispiel verbrennen. Oder Hackschnitzel daraus machen. Das PVC kann ich komplett einschmelzen, das Aluminium kann auch zu 100 Prozent recycelt werden. Und wenn Ihnen nach fünf Jahren die Holzfarbe nicht mehr gefallen sollte, können Sie bei uns anrufen, neue Holzrahmen für die Flügel bestellen und die alten einfach austauschen.

Und wie gehen Sie mit der Feuchtigkeit während der Bauphase um?Das ist tatsächlich ein Problem, denn Holzfenster sind ziemlich anfällig für Beschädigungen. Feuchtigkeit ist sicher ein Thema, aber auch, dass das vergleichsweise weiche Material grundsätzlich schneller Macken bekommt. Für uns ist es deshalb auch völlig unverständlich, dass in den meisten europäischen Ländern Fenster noch immer während der nassen Bauphase eingebaut werden. Dabei gibt es ja mit der Montagezarge schon lange eine intelligente Lösung: Man putzt eine Zarge in die Laibung ein und verbaut die fertigen Fenster erst in der trockenen Bauphase. Für hochwertige Fenster im Neubau ist die Montagezarge die einzig richtige Methode – und vor allem bei Holzfenstern rate ich von allem anderen dringend ab.

Wie hat sich das Holzgeschäft in den letzten Jahren für Sie als Fensterbauer entwickelt? Und wie sind die Aussichten?Ich habe keine Marktdaten zur Hand, aber Holz spielt in allen Ländern eine Rolle. Und wir denken, dass der Bedarf in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Das war ein Grund, warum wir jetzt investiert haben. Und ein weiteres Argument: Finstral-Fenster haben zwar immer einen Kern aus Kunststoff. Aber über diesen funktionalen Qualitätsstandard hinaus möchten wir anspruchsvollen Kunden eine möglichst große Gestaltungsvielfalt bieten. Und da gehört das Material Holz einfach dazu.
Noch nicht genug?
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