Händlerlinks
Zweckmäßige Schönheit.
Wie denken, bauen und planen FELT architecture & design aus Gent? Ein Gespräch mit Jasper Stevens und Karel Verstraeten.
Zweckmäßige Schönheit.
Zweckmäßige Schönheit.
Finstral Magazin F_03
Framing Light: 164 Seiten Gespräche, Essays und Meinungen zu Themen aus dem Großraum Architektur.
„Wir haben gelernt, unsere eigenen Entwürfe immer wieder kritisch zu hinterfragen – bis hin zur Ausführung. Es gibt immer Raum für Verbesserung”, sagen Jasper Stevens und Karel Verstraeten von FELT. Beide haben Architektur an der Universität Gent studiert. Nachdem sie bei 51N4E in Brüssel und Wiel Arets in Rotterdam Erfahrungen gesammelt hatten, gründeten sie ihr eigenes Büro. Anlass dafür war das Projekt Behind the Curtain. Dieser mit dem Interieur Award prämierte „Rückzugsort” für die Biennale Interieur in Kortrijk 2014 bildete den Auftakt zu einer Reihe von Interieur- und Szenografieaufträgen. Inzwischen hat FELT Ausstellungsarchitektur für Bozar, für das flämische Architekturinstitut sowie für das Museum M in Leuven entworfen – für Letzteres auch den neuen Buchladen. Jasper Stevens: „In den ersten Jahren haben wir viele Ausstellungsräume und Objekte gestaltet, die an der Schnittstelle zwischen Möbel und Architektur lagen. Nicht aus der Not heraus, sondern aus Interesse. Darauf basiert unsere Sensibilität für Interieur, auch bei unseren Architekturprojekten.”

Ein gutes Beispiel dafür ist die Grundschule in Zarren, einem Dorf in Belgien. Die Erschließung der neun Klassenräume und der Turnhalle erfolgt über einen breiten Gang und eine skulpturale Treppe aus rosafarbenem Beton. Beides ist mehr als reine Infrastruktur. Es sind Treffpunkte und zusätzliche Spielbereiche, die Ausblick auf die Turnhalle und die Umgebung bieten. Mit der sublimen Farbpalette für Böden und Wände und dem großzügigen Umgang mit Tageslicht ist es den Architekten gelungen, Kinder und Lehrkräfte mit einer räumlichen Ästhetik zu umgeben, die in der traditionellen Schularchitektur selten ist. „Das Fenster am Ende des Ganges macht den Unterschied aus”, so Jasper Stevens. „Dafür muss man kämpfen, denn mit einem kürzeren Gang ohne Fenster hätte man einen zusätzlichen Klassenraum hinzufügen können. Aber gerade das Licht und der Ausblick verleihen dem gesamten Raum die Qualität.”

Bei dem Projekt Villa Kameleon in der belgischen Gemeinde Zoersel, einer Pflegeeinrichtung für acht Menschen mit Behinderung, gibt es überhaupt keinen Gang. FELT entwarf ein sechseckiges Gebäude, mitten im Wald. Darin befinden sich acht Studios und ein gemeinschaftlicher Wohnbereich, die rund um einen zentralen Raum mit Lichteinfall von oben und – auch hier – einer elegant geschwungenen Treppe angeordnet sind. Karel Verstraeten: „Jedes Studio befindet sich an einer Ecke. Auf diese Weise erhielten die Wohnbereiche jeweils zwei Fenster mit unterschiedlicher Aussicht und Orientierung. Auch dies war eine radikale Entscheidung, bei der die Aufenthaltsqualität im Vordergrund stand.”

Was sind die besonderen Anforderungen öffentlicher Aufträge wie Schulen oder Pflegeeinrichtungen?
Jasper Stevens und Karel Verstraeten: Man muss zweckmäßige Architektur schaffen, die dennoch den eigenen Grundsätzen entspricht. Wir stellen uns immer die Frage: Bedienen wir unser eigenes Ego oder erfüllen wir den Auftrag? Wir arbeiten mit öffentlichen Geldern, daher hat der Auftrag immer Priorität vor der Gestaltung unseres eigenen Werks. Inzwischen haben wir mehr Erfahrung mit Programmen dieser Art und wissen, dass das eine das andere nicht ausschließen muss – im Gegenteil. Zweckmäßigkeit und Schönheit sind perfekt miteinander vereinbar.

Worin liegt der Vorteil einer Zusammenarbeit mit anderen Büros?
Zusammenarbeit ist Teil unserer DNA und ein Weg, ständig dazuzulernen. Von Anfang an haben wir uns ein Büro mit anderen Architekten geteilt und beim Mittagessen Erfahrungen ausgetauscht – inhaltlich und in Fragen des Büromanagements. Jetzt arbeiten wir gemeinsam mit anderen Büros an Entwürfen. Am Wettbewerb für das Designmuseum in Gent beispielsweise mit dem niederländischen Büro Monadnock, das war eine sehr wertvolle Erfahrung. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit aNNo architecten, Endeavour und 88888 den Wettbewerb für die Sanierung, Restaurierung und Neuprogrammierung des Rathauses in Leuven gewonnen. Das Projekt läuft gerade auf Hochtouren. Vor Kurzem haben wir mit OSK-AR architecten den Wettbewerb für einen neuen Kunstcampus in Asse gewonnen und mit dem Luxemburger Büro 2001 arbeiten wir an einer neuen Sporthalle mit Treffpunkt im Viertel Peterbos in Anderlecht. Als junges Team muss man sich mit anderen zusammenschließen, um sich für bestimmte Aufträge zu qualifizieren. Am beständigsten sind natürlich die Kooperationen, die auch auf persönlicher Ebene stimmen. Wir haben keine Angst, unsere eigene Handschrift zu verlieren – in einer guten Partnerschaft kennt jeder seinen Platz und gewährt auch den anderen ihren Raum.
Zweckmäßige Schönheit.
Villa Kameleon, Zoersel (2021, FELT) Der sechseckige Grundriss des privaten Pflegeheims ermöglicht sechs identische Studios im ersten Stock. Im Erdgeschoss sind zwei weitere Studios und die Gemeinschaftsräume untergebracht. © Stijn Bollaert
Zweckmäßige Schönheit.
Grundschule mit Sporthalle, Zarren (2019, FELT) Die skulpturale Treppe aus rosa Sichtbeton ist zentraler Treffpunkt des Hauses und verbindet die Klassenflure mit der Sporthalle und der Cafeteria. © Stijn Bollaert
Zweckmäßige Schönheit.
Interviewtermin im Finstral Studio in Brüssel: Lisa De Visscher, Chefredakteurin des belgischen Architekturmagazins A+, und Verena Oberrauch, Leiterin des Finstral-Vertriebs für Belgien, im Gespräch mit den FELT-Architekten. © François Falier
Zweckmäßige Schönheit.
Kurz nachdem sie 2014 den Interieur Award für ihr erstes gemeinsames Projekt „Behind the Curtain” erhalten hatten, gründeten Karel Verstraeten und Jasper Stevens FELT architecture & design. © François Falier
Zweckmäßige Schönheit.
Finstral Magazin F_03
Framing Light: 164 Seiten Gespräche, Essays und Meinungen zu Themen aus dem Großraum Architektur.
Pragmatisch oder poetisch? Beides!
Wie das gelingt – darüber hat sich Lisa De Visscher, Chefredakteurin des Architekturmagazins A+, mit sechs belgischen Architekturbüros unterhalten.
Lob der Normalität.
Lob der Normalität.
Lob der Normalität.
Seit Jahren begeistert die belgische Architekturszene mit großartig unaufgeregten Alltagsgebäuden. Zufall oder Haltung?
Einschränkung als Chance.
Einschränkung als Chance.
Wie denkt, baut und plant das Architekturbüro AHA aus Brüssel? Ein Gespräch mit Aurélie Hachez.
Professionelle Bescheidenheit.
Professionelle Bescheidenheit.
Wie denken, bauen und planen Dierendonckblancke architecten aus Gent? Ein Gespräch mit Alexander Dierendonck und Isabelle Blancke.
Im Dialog mit dem Ort.
Im Dialog mit dem Ort.
Im Dialog mit dem Ort.
Wie denkt, baut und plant das Architekturbüro URA aus Brüssel? Ein Gespräch mit Yves Malysse und Kiki Verbeeck.
Erträumte Realität.
Erträumte Realität.
Wie denken, bauen und planen architecten jan de vylder inge vinck aus Brüssel? Ein Gespräch mit Jan De Vylder und Inge Vinck.
Skulptural ohne Selbstzweck.
Skulptural ohne Selbstzweck.
Wie denkt, baut und plant V+ architecture aus Brüssel? Ein Gespräch mit Aram Bihain und Thierry Decuypere.
 
PageConfig.OriginalHttpReferrer: https://finstral.com/de/magazin/zweckm%C3%A4%C3%9Fige-sch%C3%B6nheit/20-4318.html
PageConfig.OriginalQueryString: